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Far away, so close. Ein Kurzbesuch auf der 25. Design-Biennale in Ljubljana BIO25

Extern · 8. August 2017 · Christian Wölfel ·
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Die Design-Biennale in Sloweniens Hautstadt Ljubjana ist eine der ältesten Designausstellungen überhaupt. Sie wurde 1963 als Biennal of Industrial Design (Bienale industrijskega oblikovanja, kurz BIO) ins Leben gerufen, um damals jugoslawisches Design neben internationalem Design im Wettbewerb auszustellen und zu prämieren. Neben der Triennale di Milano war sie lange Jahre eine der wichtigsten internationalen Designausstellungen. In Ljubljana kamen im „blockfreien“ Jugoslawien von Beginn an auch Designs aus der Bundesrepublik und aus der DDR gleichermaßen zur Ausstellung. Bereits die ersten beiden BIOs 1964 und 1966 zeigten insgesamt jeweils ca. 80 Industriedesignentwürfe aus beiden deutschen Staaten. Unter den ausstellenden Designern waren Rido Busse, Hans Gugelot, Hans Erich Slany oder Wilhelm Wagenfeld auf der einen, Christa Bohne (-Petroff), Ilse Decho oder Lutz Rudolph auf der anderen Seite.

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Elemente des Kiosk-Systems von Saša J. Maechtig im Innenhof des Museums.

Die politischen und wirtschaftlichen Veränderungen in den ehemals jugoslawischen Staaten und in ganz Europa, aber auch Entwicklungen im Design generell führten zu Neuausrichtungen der BIO, die seit 2011 als Biennal of Design auch im Namen eine breitere Auffassung von Design transportiert. Aus der Wettbewerbsausstellung ist nach und nach eine kuratierte Ausstellung geworden, auf der verstärkt gestalterische Antworten auf gesellschaftliche und soziale Fragen zur Diskussion gestellt werden.

Die BIO25 zeigt im Jahr 2017 nun erstmals sehr konzeptionelle Arbeiten von Designerinnen und Designern, die mit den Gefäßen, Möbeln und Maschinen der ersten Ausstellungen kaum mehr etwas zu tun haben. Teilweise aufbauend auf philosophischen oder kulturwissenschaftlichen Betrachtungen werden Themen wie Migration, wirtschaftlicher Umbruch oder Umgang mit Ressourcen behandelt. Als designerisch wird dabei vor allem das praktische Experimentieren und schnelle Umsetzen von Lösungsansätzen hervorgehoben. Über allem scheint die Frage zu schweben: Wie soll es in (dieser) Gesellschaft weiter gehen? Die Ausstellung folgt damit einem Trend, der aktuell vor allem an Designhochschulen und in der akademischen Designforschung zu beobachten ist und versucht, diesen an ein Publikum zu vermitteln, welches bislang eher die Ausstellung »schöner Artefakte« erwartet.

Ähnlich wie in den skandinavischen Ländern scheint in Slowenien durchaus ein Bewusstsein für gut gestaltete Produkte verbreitet zu sein. Die Ausstellung möchte hier nun offenbar ansetzen und für das Potenzial des Designs, mögliche Lösungen auch für gesellschaftliche Probleme vorzuschlagen, werben.

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Textilbeton vor Renaissance-Schloss – Aufsteller zur BIO25 vor dem MAO Museum für Architektur und Design Ljubljana

Die BIO25 ist erstmals an spannenden Orten im gesamten Land zu finden, neben dem Museum für Architektur und Design in Ljubljana gehören dazu u. a. eine Karst-Höhle, Kreativ-Zentren, Galerien, weitere Museen und eine Hochschule.

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