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Absolventen stellen sich vor: Markus Matthies

Extern · Studium · 3. Dezember 2018 · Lisa-Marie Lüneburg ·
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Was kommt eigentlich nach dem Studium? Was kann man mit einem Abschluss als Technischer Designer so machen? Um euch die vielfältigen Möglichkeiten eines Technischen Designers zu zeigen, stellen wir hier in unregelmäßigen Abständen einige unserer Absolventen vor. Dieses Mal gibt Markus Matthies, einer der ersten InHouse-Designer bei CLAAS, einen Einblick in seinen Lebenslauf.

Wir besuchten letzte Woche CLAAS mit dem Produktentwurfs-Kurs bei der Designexkursion. Dort konnten unsere Studierenden Markus bei der Arbeit über die Schulter schauen, der 2014 seinen Abschluss an der TU Dresden gemacht hat.

Quelle: Claas

Bild: CLAAS

Markus, womit beschäftigst du dich gerade den größten Teil deiner Zeit?

Natürlich mit meinem Job, momentan dicht gefolgt von der Renovierung meiner neuen Wohnung (was ich sehr genieße); wenn noch Zeit übrig bleibt, die ich mir auch einfach nehme, mache ich Sport: Fußball und Footvolley

Welches ist dein Lieblingsobjekt/-gegenstand?

Moka Express von Bialetti

Welche Designer/Stile haben dich bis jetzt am meisten geprägt und warum?

Ich schaue immer wieder gerne nach Skandinavien und bin begeistert von der Marke VOLVO und deren Produkte genauso wie von Husqvarna Motorcycles. Mir gefallen die ausgewogenen Proportionen und klaren Formen und mir imponiert der Charakter, den dieses Design transportiert.

In welchem Zeitraum hast du dein Studium absolviert und welche Projekte und Praktika während dieser Zeit gemacht?

Ich studierte zunächst von 2008 bis 2010 an der TU Kaiserslautern (Grundstudium Maschinenbau). Zur TU Dresden kam ich 2010 und absolvierte 2014 mein Diplom.

Mein erstes Entwurfsprojekt lief in Kooperation mit Dräger bei dem ich ein Messgerät zum Alcohol Monitoring gestaltete. Anschließend ging ich ins Praktikum zu JOHN DEERE nach Mannheim. Dort gestaltete ich ein Großtraktor-Interieur.

Danach kam ich zurück nach Dresden und bearbeitete meinen Großen Beleg in einem Zweierteam und in vier Kurzzeitprojekten, die jeweils 6 Wochen lang liefen. Folgende Aufgabenbereiche konnte ich dadurch kennenlernen:

  • Entwicklung eines Handgeräts zur Interaktion in Reinraumumgebungen
  • Erarbeitung eines HMI-Konzepts für Fernfahr-LKWs
  • Gestaltung von Büro- und Hotelmöbeln für die Generation 60+
  • Design eines Geräts zur Atemgasanalyse

Entwurf für ein mobiles Interaktionsgerät für Reinraumanwendungen

Papier Prototyp für ein mobiles Interaktionsgerät für Reinraumanwendungen, Markus Matthies

Entwurf für ein mobiles Interaktionsgerät für Reinraumanwendungen, Markus Matthies

Meine Diplomarbeit absolvierte ich dann bei CLAAS in Harsewinkel. Ich entwickelte dort einen Raupentraktor.

Welche Stationen hast du nach deinem anschließenden bisherigen Berufsleben durchlaufen und welche Aufgabenfelder hast du dabei durchschritten?

Ich bin direkt nach meiner Diplomarbeit, seit 12/2014  bei CLAAS geblieben und bin sozusagen ein ›Mitarbeiter der ersten Stunde‹. Ich wirkte also beim Start und Aufbau der Inhouse-Designabteilung von Anfang an mit. Dazu zählte das Schaffen einer Organisationsstruktur sowie die Etablierung der Designabteilung durch ein Netzwerk innerhalb des Unternehmens. Hier war und ist viel Kommunikation gefragt.

Durch dieses sehr junge Team gibt es noch keine klassischen Designabteilungsrollen. Die Verantwortungsbereiche stehen und fallen mit dem eigenem Engagement. Zu meinen Aufgaben gehörten deshalb unter anderem das Entwickeln einer Designstrategie. Dazu zählten die Analyse des Ist-Zustands und die Definition einer Zukunftsvision. Meine Hauptaufgabe liegt jedoch in der Serienentwicklung. Für mich ergab sich in den letzten Jahren für alle Traktor-Designthemen verantwortlich zu sein. Diese reichen von Kleinstprojekten beispielsweise Knöpfen bis hin gesamten Maschinenexterieurs. In der Regel bin ich vom ersten Strich bis hin zum fertigen Serienteil in den Prozess eingebunden. Dazu gehört auch die Kollaboration mit vielen Beteiligten (intern sowie extern), die oft auch international abläuft, da das CLAAS Traktor Entwicklungszentrum in Paris liegt.

Das ›Ausprobieren und Spielen‹ ist ein kleiner, aber regelmäßiger Anteil meiner Zeit, den ich abseits von Projekten mit Testen neuer Technologien, visionären Diskussionen über Zukunftsutopien der Landwirtschaft und dem konkreten Entwickeln von Konzeptstudien verbringe. Dabei hilft mir das recht neue CLAAS Greenhouse, ein Co-Working Space mit eigener Designwerkstatt.

Bild: CLAAS

Hast du dir währenddessen Auszeiten gegönnt?

Während des Arbeitslebens noch nicht, aber im Studium (zwischen meinem Uni-Wechsel von TU KL zu TU DD) war ich sechs Monate in Neuseeland. Dort machte ich ein Praktikum an einer Fußballschule.

Wie kam es schlussendlich zu der Entscheidung für deine aktuelle Position?

Für mich war es keine schwere Entscheidung bei CLAAS zu bleiben, da ich mit der Diplomarbeit schnell in das Unternehmen rein gewachsen bin. Mir wurde recht früh angeboten über die Diplomarbeit hinaus bei CLAAS zu arbeiten.

Wie haben sich diese Arbeiten von denen aus dem Studium unterschieden?

Zum Einen ist die Projektgröße und die Unternehmensgröße ein Unterschied. Das bedeutet, dass viele Beteiligte mit ihren Interessen, Zielen und Anforderungen an einem Projekt zusammen arbeiten. Auch die finanzielle Power im Entwicklungsprozess ist eine Andere, da z. B. für Mockups & Prototypen, Arbeitsmittel und Software mehr Budget zur Verfügung steht. Zum Anderen ist die Resonanz einer Entscheidung um einiges größer. Das gilt sowohl im Positiven, als auch im Negativen. Die Entscheidungen haben oft ein wesentlich größeres Echo als bei Studienprojekten.

Bild: CLAAS

Rückblickend auf dein Studium, welche Module, Kurse, Projekte haben dich am besten auf das Arbeitsleben vorbereitet oder dir geholfen dich weiterzuentwickeln?

Den Austausch mit den höheren Semestern habe ich immer genossen. Auch die intensiven praktischen Kurse (Sketchen, Rendern, Designentwürfe) waren rückblickend sehr lehrreich. Gerade wenn‘s herausfordernd, und teilweise auch mal unangenehm geworden ist, hatte ich genau dann meine krasseste Weiterentwicklung. Die Entwurfsprojekte mit direktem Unternehmenskontakt waren für mich genauso wertvoll wie der Großer Beleg zu zweit(!). Dort lernte ich den überragenden Wert einer gut funktionierenden Teamarbeit zu schätzen.

Welchen Tipp würdest du heute deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben?

Nimm dir Zeit für Reflektion! Nur so kann man Entwicklungen erkennen und beeinflussen
Anhalten. Zurückschauen. Korrigieren.

Get comfortable being uncomfortable. Unbequemes hat immer die Chance dich entscheidend weiterzubringen!

Markus, vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen und den ausführlichen Einblick in deinen spannenden Werdegang!

Bild: CLAAS

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