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Wie Materialien wirken

Studium · 13. Juli 2018 · Lisa-Marie Lüneburg ·
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Dieses Semester haben wir in der Lehrveranstaltung Farbe und Material Frau Neesken-Ashana Hohgräve als Gastdozentin eingeladen, ihren Input an unsere Studierende weiterzugeben.

Frau Hohgräve ist verantwortlich für das Global Brand Consulting bei der Otto Bock HealthCare GmbH. Sie ist Expertin im Brand Consulting, Brand & Design Management und im Business Coaching. Ihr Lehrauftrag ist ein weiterer Schritt, unseren Studierenden eine praxisnahe Lehre sogar in der Grundlagenausbildung zu bieten. Ihre Sichtweisen und Eindrücke sind deshalb für unsere Studierenden eine wertvolle Bereicherung.

Frau Hohgräves Motivation basiert auf ihrer langjährigen Erfahrung in Designagenturen und aus der Zusammenarbeit mit Unternehmen:

Im Design Management bei Ottobock bin ich täglich im Dialog mit Designern über Farbe, Material und Form. Es ist erstaunlich wie häufig das grundlegende Handwerkszeug zum Herleiten einer ästhetischen Grundidee vernachlässigt wird. Insofern treibt mich seit einiger Zeit der Gedanke um, mich an den Anfang zu begeben, und mich dort einzubringen, wo die Basis für Designer gelegt wird: in den Grundlagen der Gestaltung – Welche Wirkung und Aussage treffe ich mit Farben, Formen und Materialien? Wie leite ich eine ästhetische Idee her, präsentiere und bewerte sie.

An dieser Fragestellung entlang zieht Frau Hohgräve ihre Lehrveranstaltung auf und vermittelt ihr Wissen über Impulsvorträge, Belegaufgaben und Konsultationen.

Die Anfertigung von Material-Collagen, die zu einem gemeinsamen Handmusterkatalog zusammengefasst werden, sensibilisiert die Studierenden für das sinnliche Zusammenspiel von Wirkung und Funktion der Materialien und Oberflächen im Produktdesign.

Beton_Materialcollage_kleiner

Mit dieser Aufgabe wird durch das Übersetzen von Eigenschaften (wie z. B. warm/kalt, leicht/schwer, flexibel/starr, analog/digital) oder Zuständen (wie z. B. kalte Leidenschaft, helle Traurigkeit, triste Freude, bittere Leichtigkeit, zarte Gewalt, stille Bedrohung, ernste Unterhaltung, seriöse Kreativität) in Materialien und Oberflächen, die konkrete Auseinandersetzung mit deren Wirkung durch eigenes Gestalten angeregt, sowie die eigene Wahrnehmung geschärft. Ein Praxisbezug wird über das Finden von Analogien in der Produktwelt hergestellt.

Abschlussaufgabe ist die Interpretation eines Raumteilers in Anlehnung eines bekannten Gestalters (Designers oder Architekten) als Modell im Maßtab 1:6 im Hinblick auf sein/ihr Farb-, Material-, Oberflächen-, und Verbindungskonzept. Hier lernen die Studierenden, sich in einem anderen bzw. fremden Gestaltungsansatz hineinzudenken. In dem sie die wiedererkennbaren, charakteristischen Gestaltungsparameter/-schwerpunkte recherchieren und einen Fokus festgelegen, wird ihr Umgang mit Farben, Material, Oberflächen, Verbindungen und ihrer Wirkung geschult. Die eigene Umsetzung erfolgt danach anhand dieser herausgearbeiteten Kriterien.

Ihr Vorgehen mit den Studierenden beschreibt Frau Hohgräve folgendermaßen:

Der Moment in dem Studierende erkennen: man kann nicht nicht gestalten (frei nach Paul Watzlawick), öffnet die Tür für ein grundlegendes Verständnis von Gestaltung. Der konstruktive Austausch bei der gegenseitigen Präsentation der Arbeitsaufgaben ist ein Schwerpunkt und grundlegende Schulung. Quereinsteiger, Suchende und designierte Gestalter setzen sich dabei auseinander in Bezug auf kreative Umsetzung, Liebe zum Detail und handwerklicher Genauigkeit. Ist eine intrinsische Motivation vorhanden, ist es eine Freude, das Potenzial der Studierenden voranzutreiben!

Wir bedanken uns ganz herzlich für diesen Austausch an Ideen und Eindrücken bei Frau Hohgräve!

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