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Pneumatisches Rettungszelt – Lichthöhle

Studium · 15. September 2005 · frank.drechsel ·
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Statt technischer Raffinessen stehen hier die Nutzer im Mittelpunkt: Einerseits der Betroffene, andererseits der Helfer. Aus den Anforderungen dieser beiden Gruppen erwächst die Idee einer Schutzzelle – einem Raum, der sowohl eine räumliche wie auch eine atmosphärische Trennung gegenüber dem chaotischen Katastrophenumfeld schafft.

rettungszelt_modell

Tragender Gedanke der Lichthöhle ist die Abkehr von rein technisch, funktional bestimmten Lösungen hin zu ganzheitlich gestalteten Produkten. Ziel war es einen menschwürdigen und menschenfreundlichen Schutzraum mit deutlich verbesserten Funktionalitäten von hoher formaler Prägnanz zu schaffen.

Rettungszelte kommen überall dort zum Einsatz, wo es auf Sekunden ankommt, keine oder kaum Infrastruktur vorhanden ist oder Ausmaß und Dauer des Einsatzes ungewiss sind.

Pneumatische Zelte selbst existieren seit den 70er Jahren. Bis jetzt werden sie jedoch fast ausschließlich als Hauszelt mit innen liegendem Gestänge, was die Grundfläche reduziert und Unruhe hineinbringt. Die vorliegende Lösung nutzt den geometrischen Spielraum, der sich mit derartiger Technik bietet und trägt das Gestänge konsequent nach draußen.

rettungszelt_elemente

Der Aufbau des Zeltes kann von zwei Personen direkt am Einsatzort erfolgen. Nach Anschluss der Druckluft vergehen bis zur Begehbarkeit gerade einmal zwei Minuten.

Der sich nach oben öffnende Innenraum erweckt zusammen mit dem natürlichen Lichteinfall beruhigende Sicherheit. Bisher auf dem Boden verlegte Elektro- und Datenkabel verschwinden zusammen mit der Belüftung im Infrastrukturring nahe der Decke.

Das Rettungszelt verfügt über eine Grundfläche von ca. 20 m², was zur Betreuung von sechs bis acht liegenden Patienten ausreicht. Es lässt sich entweder direkt oder mittels des Aktionszeltes mit weiteren Zelten kombinieren.

Das zu dem Basiszelt entwickelte Aktionszelt kann zur Kopplung oder Erweiterung der Basiszelte eingesetzt werden. Damit sind sowohl spezifische Korridorzonen als auch Schleusen zwischen Zelten z.B. bei der Dekontaminierung sehr leicht zu realisieren. Ein Einsatz als Vordach oder erweiterter Eingangsbereich ist ebenso vorstellbar.

In der vorliegenden Konzeption wäre das Zelt auch für eine Nutzung weit über die Rettungstechnik hinaus denkbar. Für den Einsatz bei Messen oder Kulturveranstaltungen sprechen sowohl die ungewöhnliche Gestalt als auch die funktionalen Merkmale.

Die Lichthöhle – ein anderes Rettungszelt. Aus dem Menschen heraus entwickelt bietet ein Stück Geborgenheit.

Bearbeiter: Jens Krzywinski

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